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Die Besonderheiten der Pflanzenwelt Kamtschatkas lassen sich im Bystrinsky Park vollends erleben. Die Hälfte der hier lebenden Pflanzen sind Rote-Liste-Arten und genießen einen besonderen Schutzstatus. Aufgrund der Tatsache, dass sich der Bystrinsky Park aus Taiga und Tundra zusammensetzt, gebirgig ist, Flüsse und Seen beherbergt und vielen unterschiedlichen frostabhängigen geomorphologischen Prozessen unterworfen ist, sind eine hohe Artenvielfalt und viele unterschiedliche Artenzusammensetzungen garantiert.
Wälder nehmen, wie in der Taiga üblich, den größten Flächenanteil ein. Neben der dahurischen Lärche (Larix dahurica) in den tieferen Höhen und schattigen Bereichen breiten sich vor allen Dingen die Weiße Birke (Betula platyphylla) und die Steinbirke (Betula ermanii) in den höheren Lagen ab 700 m bestandsbildend aus. Lärchenwälder sind voll mit Heidekraeutern am Boden, welche im Spätsommer zum unendlichen Naschen einladen. Birkenwälder dagegen sind sehr licht, weshalb sich viele großwüchsige Kräuter aus Tundrenbereichen ansiedeln (Veratrum oxysepalum, Pleurospermum uralense und Filipendula kamtschatika).
Die Flüsse sind umsäumt von großwüchsigen Pappeln (besonders Populus suaveolens) und Weiden. Durch die Frühjahrsüberflutungen und dem hier noch natürlichen unbegradigten Flussläufen liegen viele unterschiedliche Floren dicht gedrängt nebeneinander. Die Ufer kleiner Bäche sind das Zuhause von Jakobsleitern (Polemonium acutiflorum) und Sumpf-Herzblatt (Panassia palustris). In den Flüssen selbst sind Hahnenfußgewächse (Ranunculus thyphyllum und Ranunculus hyperboreus) stark verbreitet.
Die Seen sind fantastisch klar und rein. Sie bieten daher vielen Klarwasserpflanzen einen Lebensraum, welche in vielen anderen Regionen wegen der Kultivierung der Landschaft bereits verdrängt wurden. Dazu gehören viele seltene Vertreter der Laichkräuter (Potamogeton) sowie die Igelkolben (Sparganium). Wichtig hervorzuheben ist das in Flachwasserbereichen häufig auftretende Fieber- oder Bitterklee (Menyanthes trifoliata), welches in abflusslosen Kleingewaessern und sogar Seen vorkommen kann.
Moore sind interessant und vielfältig. Sphagnummoore sind die häufigsten Moore. Das Torfmoos Sphagnum magellanicum nimmt dabei mit rund 25% den größten Anteil der Moose ein, manche Moore sind nur rot! Die Vielfalt der im Moor lebenden Moose (im Schnitt 15+) wird nur von der Gefäßpflanzenvielfalt übertroffen. Besonders die Seggen mit dem größten Bestandsbildner Carex rhynchophysa können mit bis zu 10 Arten in einem Moor anzutreffen sein. Wollgras, wegen seiner Neigung zu nährstoffarmen Milieus, ist natürlich aus den Mooren hier nicht mehr wegzudenken und lässt einem den Eindruck einer Schneedecke im Sommer erscheinen.
Durch die geomorphologischen Prozesse in Verbindung mit Kälte und Regen sind viele Schutthalden anzutreffen, die eine eigene Vegetation aufweisen. Hier findet man z.B. das Labkraut Galium ruthenicum, welches auf Kamtschatka nur hier im Bystrinsky Park zu finden ist. Außerdem noch die Himbeere und Johannesbeere, welche im Spätsommer ihre leckeren Beeren zum Naschen anbieten. Lauch (Allium strictum) und Beifuß (Artemisia borealis) können dichte Bestände in diesen Höhen ausbilden. Spierstrauch (Spireae sericea) gesellt sich gern dazu.
Wiesen sind mit die artenreichsten Plätze. Ob in Tundren oder in stark belichteten Birkenwäldern, oder einfach nur auf anthropogen freigehaltenen, aber relativ ungestörten Flächen: überall wächst eine fantastisch krautreiche Vegetation. Das Greiskraut Senecio canabifolium wird bis zu 2,50m groß und ist leicht an seinen Blättern bestimmbar. Schwertlilien (Iris setosa) kommen hier wie auch in höheren Tundrengebieten natürlich vor und können flächenhaft mit bis zu 20 Pflanzen auf einem Quadratmeter vertreten sein. Weiterhin sind Arten wie der Rippensame Pleurospermum uralense oder der wunderschöne Wiesenknopf Sanguisorba tenuifolia hier anzutreffen. Im Sommer, besonders im Juli, sind die Wiesen blau, denn der Storchschnabel Geranium erianthum hat Blütezeit und entwickelt ihre einzigartigen Blüten.
Die Tundren sind vielfältig. Sie sind zum einen als Strauchtundra mit Zedern und Erlenbüschen ausgebildet, und zum anderen als Strauch und baumfreie Gelände. Neben der hier oftmals massig vorkommenden Schwertlilien Iris setosa gesellen sich viele Binsen und Seggen hinzu. Alles ist krautig. Auf vernässten Flächen sind viele Arten der Wollgräser zu bestaunen. Auf steinigen Flächen kommen kleinwüchsige Vertreter der Glockenblumen und auch Heidekrautartigen (Diapensia obovata), sowie fast die gesamte hier lebende Steinbrech-Reihe vor.
Für Moos- und Flechtenfreunde ist hier auf ganz natürlich Weise gut gesorgt. Moose können in manchen Regionen unseres Naturparks mit vielen Arten auf einem Quadratmeter vorkommen. Am häufigsten anzutreffen sind das Glashaar-Haarmützenmoos (Polytrichum piliferum) auf Blockfluren und in der Zederntundra, sowie das Rotstengelmoos Pleurozium schreberi in den Lärchenwäldern. In der Tundra, besonders in der Strauchfreien Tundra, gibt es viele Sphagnen und andere Laubmoose zu bestaunen, die fleckenhaft verstreut sind. Die Rentierflechten sind hier mit fast allen bekannten Arten vertreten. Blätterflechten kommen vor allen Dingen in Flussnähe und in den Birkenwäldern vor. Viele Steinflechten erstrahlen in allen nur erdenklichen Farben und färben manche Schutthänge orange und gelb.
Liebe Pflanzenfreunde, der Bystrinsky Park ist in Sachen Flora auf Kamtschatka die klare Nummer eins. Hier im Park werden Sie zusätzlich informiert. Wir wünschen ihnen viel Spaß bei Ihrem Rundgang in der Natur!
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